Wo das Problem anfängt
In Mosambik gibt es heute mehr als 20 Millionen Menschen. Das sind doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Die Hälfte sind (notwendigerweise) Kinder. Von der erwachsenen Hälfte haben 25-50% AIDS. Mehr als 80% der erwachsenen Bevölkerung sind arbeitslos. Der Anteil der Analphabeten ist etwa genauso hoch. Die allermeisten Menschen haben für ihren Lebenserhalt genau null Dollar pro Tag zur Verfügung.
Daraus ergeben sich viele Probleme. Ein paar sind: 1. Landflucht und damit verbunden Überlastung der städtischen Infrastruktur, Kriminalität (Antisha wird jetzt regelmäßig einmal im Monat ausgeraubt) und Seuchen (ein sanitäres Netz gibt es nicht, in der Trockenzeit versinken die Städte im Müll); 2. Umweltvernichtung: die wenigen verbliebenen Bäume werden mit sichtbarer Geschwindigkeit in Brennholz umgearbeitet (wodurch der Wasserspiegel sinkt - man wundert sich derzeit, warum immer mehr Brunnen austrocknen - und sich der Winderosion nichts mehr entgegenstellt), die Korallenriffe werden leergefischt (auch dank der tapferen dänischen Entwicklungshilfe für die Fischer, die seit 30 Jahren denselben Mist an der afrikanischen Ostküste macht), die letzten wilden Tiere werden getötet (derzeit wird v.a. gegen Elefanten gehetzt, die irgendwo im Norden eine Person totgetrampelt haben sollen - deshalb sollen sie jetzt gemurxt werden); 3. Kulturverlust: die Erwachsenen sterben schnell und jung, die Kinder wachsen ohne Tradition auf, die Schulbildung ist miserabel (wir natürlich ausgenommen.-), Hauptkulturgeber sind die Staatspartei (wie in Brave New World) und die brasilianischen Telenovelas im Fernsehen.
Zusammengefasst, was entsteht ist eine bewegungslose, uniforme Menschenmasse ohne große Bindungen an ein Herkommen, mit dem festen Willen, die evolutionären Waffen der Moderne (Medizin und Technik) zu nutzen, um die Dichte weiter zu erhöhen und die letzten vorhandenen Quellen der Natur auch noch zu zerstören.
Fragt sich, wo das Problem anfängt. Die Armut (wie Hening Mankell vermutet) kann m.E. nicht der Ausgangspunkt sein. Armut ist eine Folge von Unbildung und Perspektivlosigkeit. Letztere ist eine Folge wirtschaftlicher Trägheit (Mangel an Kapital etc.). Also die Unbildung? Diese ist aber wiederum eine Folge der Überlastung des Schulsystems und des Wegsterbens der Eltern. Das Schulsystem ist überlastet, weil die Staatsfinanzen nicht ausreichen, um genügend Schulen zu bauen und die Lehrer ebenfalls im prdouktivsten Alter sterben. Sind es also Kapitalmangel und AIDS? Die Verbreitung von AIDS ist aber wieder eine Folge von Unbildung; mit ein wenig Vernunft könnte man sich ja leicht vor AIDS schützen. Schulbildung könnte das vermitteln.
Mir scheint, dass also nur zwei Gründe bleiben: Kapitalmangel (=kein freies Geld, um etwas zu beginnen) und Überlastung (=zu viele Menschen). Zum Teil sind das zwei Seiten des selben Problems: das rapide Bevölkerungswachstum frisst alles Kapital des Staates auf. Für Investitionen bleibt nichts übrig. Der Kern des Problems ist also die Vermehrungsfreude der Menschen, die auf Unbildung (Dummheit) und Perspektivlosigkeit (Trägheit) beruht. Wird sich daran in nächster Zeit etwas ändern? Mir scheint, nicht. Dummheit und Trägheit nehmen eher zu als ab. Allerdings gibt es zwei Gesellschaften. Das hier betrifft "nur" die große Masse. Die kleine Elite europäisch lebender Menschen (Politiker, Händler etc.) betrifft das nicht. Sie leben tatsächlich von Dummheit und Trägheit der anderen immer besser. Wie bei uns.
Bilder: die Nachbarskinder besetzen meine Hängematte (grummel): Woddy Passo (MacDonals Sohn) und Michelle (Wonders Tochter).

1 Comments:
Was AIDS /HIV betrifft kommt der kluge Entwicklungsspezialist und Helfer langsam drauf, dass Information nicht einfach nur vermittelt werden muss und dann wirkt. Information und Health Behavior (Change) Theories berücksichtigen kaum, dass menschliches Verhalten nicht unbedingt rational ist, schon gar nicht im Bereich der Sexualität. Es gibt – abgesehen von den kulturellen, auch psychologische und weltanschauliche Faktoren, die nicht von den Information Behavior Theories berücksichtigt werden.
In Afrika hat man es mit Kulturen zu tun, die nicht am Individuum orientiert sind, sondern vorwiegend an Gemeinschaften: es sind Familien-, Stammeskulturen. Weiters ist das Ausmaß der wirtschaftlichen und sozialen Abhängigkeit der Frauen, ihre sozio-ökonomische Unterlegenheit - einem Westler kaum vorstellbar und wird deshalb auch in den gängigen Informationsvermittlungs und Verhaltensänderungs-Theorien kaum beachtet.
Wissen führt nicht unbedingt zu verändertem Verhalten. Ich würde das nicht als Dummheit bezeichnen. Damit die Information zu Verhaltensänderung führt, müsste sie konvertiert, übersetzt werden. Wichtig ist auch, von wem die Information kommt, damit sie als wahr und verbindlich erkannt werden kann.
Die Leute als kulturlos und dumm zu bezeichnen und das Urteil mit Bildern und Zahlen zu untermauern, ist nicht so gut, denn es vermischt Ursachen, Wirkungen, Erkenntnissysteme, ist einseitig und kommt als letzte Wahrheit daher.
nada
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