Horst und die Welt

...der öffentliche Teil meiner Identität.

27 August 2007

Schillernde Räuber

Wiedermal eine interessante Geschichte von Antisha, meiner Empregada.
War am Freitag wiedermal schlecht drauf. Patrao fragt, warum?
Ausgeraubt worn. Wo wann wie? Die Raeuber ham zuerst mal mit einer
Taschenlampe in der Huette herumgeleuchtet und ihren Fernseher gesehen.
Fernseher = rico. Eingebrochen, Leute aufgeweckt (es gibt ja nur den
einen Raum), das Einkassieren der Wertsachen verkuendet. Antisha: Wir
haben aber nix. Raeuber: Und was ist mit dem Fernseher? Der ist kaputt
(stimmt). Und Handy? Hab ich, aber Display kaputt (stimmt auch). Und
Geld - du hast ja Arbeit (als hiesiger Raeuber kennt man seine
Klientel)? Alles schon ausgegeben. Nach einer Stunde sind sie wieder
abgezogen.

Reflexion. Ich: Wie oft kommt das vor? So einmal im Monat. Warum? Weil
wir einen Fernseher haben und kein Mann im Haus ist (Antisha ist
geschieden. Der Mann ihrer Schwester ist irgendwo auf Arbeitsuche, im
Haus leben 3 Frauen und eine schwankende Anzahl von Kindern - auf ca.
20m²). Im Bairro regiert das Faustrecht. Die Polizei wuerde dort niemals hingehen.

Nachsatz von Antisha: Tja, wenn ich so eine schoene Faca haette wie der
Patrao (meine Machete, südafrikanisch-kompromissloses Mordwerkzeug, ich verwende sie nur zum Oeffnen von Kokosnuessen), das waer was anderes... Ich: Aber Gewalt ist doch keine Loesung. Wieso nicht?

Fotos: Antisha mit hipper neuer Frisur. Sie aendert sie nur jeden Tag. Das ist eine niedrige Frequenz. Unsere Sekretaerin Olga kam schon oefters am Vormittag und Nachmittag mit verschiedenen Frisuren (z.b. glatt am Morgen und Lines am Nachmittag). / Blick uebers Bairro. Schaut idyllisch aus, aber: keine sanitaeren Anlagen (Cholera jedes Jahr), Trinkwasser weit weg (chronisches Rueckenleiden) und natuerlich-unverkrampfter Umgang mit Gewalt...





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