Horst und die Welt

...der öffentliche Teil meiner Identität.

24 September 2007

mosambikanische wirtschaft

letztens jagt eine wirtschafspolitische initiative die andere in moz (vor ein paar wochen war die internationale messe in maputo, bei uns laeuft ein projektwettbewerb, es ist woche des internationale tourismus etc.). gelegenheit, einen blick auf die mosambikanische wirtschaft zu werfen. generell ist sie bestimmt von einem mangel an kapital. die mosambikaner sind in der regel so arm wie nichtkatholische kirchenmaeuse. damit fehlt es an investitionen, ja selbst die erhaltung des bestandes (maschinen, infrastruktur) ist oft nicht moeglich. rücklagen für notfälle haben selbst die allermeisten unternehmen nicht (bisweilen kann man in den zeitungen - ähnlich der wiener zeitung - einen blick auf bilanzdaten einheimischer unternehmen werfen. erschreckend!). ein schlechter boden für industrie, die es dementsprechend kaum gibt.

ein grossteil des hiesigen wirtschaftslebens ist bestimmt von der patriarchalischen sozialstruktur. d.h. es gibt ein familienoberhaupt (die auswahlkriterien sind evolutionär-zufällig zumeist geschlecht, alter und aggressionsgrad = aggressive alte krauter), das über die mittelverwendung des ganzen verbandes bestimmt und sich seine machterhaltung meist aus abgaben aller mitglieder finanziert. der rest der bande bildet kreise um das oberhaupt. klassischer aristokratischer feudalismus also. wenn man so aufwächst, dann denkt man natürlich auch so. auch im wirtschaftsleben. wirtschaftliche tätigkeit beruht hier also stark auf patronismus und unterwürfigkeit. freies, selbstbewusstes, rücksichtsloses unternehmertum gibt es kaum. der vorherrschende wirtschaftstreibende ist demnach der kleine, oft abhängige, händler oder gastronom.

wer sind nun die grossen in der moz-wirtschaft? coca cola (überall seit den 70ern), die eisenbahn (die vor allem mit den häfen ihr geld verdient) und mozal (ein australischer aluminiumerzeuger, der in australien abbaut, in moz die billige energie nutzt und das endprodukt dann nach europa liefert). dazu kommen die staatsbetriebe tdm (telefon, vor allem auch der handy-ableger mcell), edm (elektrizität aus dem cahora bassa damm) und fipag (wasser). alle grossen unternehmen hier sind monopolisten und demenstrechend bürokratisch. die service-qualität scheint aber besser zu werden.

welche branchen sind wichtig? bauwesen: bambus-grundgerüste, mit gummi von autoreifen zusammengebunden, mit steinen und lehm ausgefüllt - kaum verwendung von resourcen ausser arbeitskraft, daher kaum monetäre auswirkungen. gastwirtschaft: ausser den kleinen saufhütten sind die restaurants eigentlich alle in weisser hand. ebenso der tourismus. die hotels, tauchschulen, etc. gehören praktisch alle ausländern. die einheimische wirtschaft profitiert davon nicht. der rest ist handel und dieser ist im wesentlichen in der hand der inder. nehrus anweisung der 50er-jahre, die indischen communities sollten die freiheitsbewegungen unterstützen, zahlt sich hier voll aus. praktisch überall im südlichen afrika wird der handel (gross- und einzelhandel) von indern beherrscht. in pemba sind es genau drei.

wie geht's weiter? derzeit investiert brasilien gross in den steinkohleabbau. als typisches grossprojekt bekommen die mosambikaner dafür vor allem umweltschäden und aids. die wenigen, die daran reich werden, gehören zum engsten kreis der feudalherren. die sammeln aber immerhin investitionskapital, das sie vielleicht irgendwann lokal einsetzen werden. derzeit ist es aber leider immer noch klüger, sein geld in osteuropa oder anderswo zu investieren (sicherer, höhere renditen). ansonsten ist wenig zu sehen (die chinesen spielen, glaube ich, hier noch keine besondere rolle).

zusammenfassung: für die zukunft wäre es wohl wichtig, freies geld zu schaffen (das geschieht dankenswerterweise durch die grosskorruption der feudalen) und die stammes-sozialorganisation zu brechen (das erledigt netterweise aids). tolle hoffnungsträger.

bilder: zwei pembanische wirtschaftsbetriebe: der städtische markt, auf dem man gemüse, obst und fisch kaufen kann sowie unsere pasteleria, wo es kaffee, backwaren und einfache menüs gibt.