Horst und die Welt

...der öffentliche Teil meiner Identität.

14 Juni 2007

Fim de semestre!

Mit den schriftlichen Abschlussprüfungen ist am Dienstag das Semester zu Ende gegangen. Meine Leute in Datenkommunikation haben sehr gut abgeschnitten - was mir den wohlwollenden Neid der KollegInnenschaft einbringt: mehr Stoff, härterer Umgang und bessere Ergebnisse... Ich habe insgesamt nur 2 negative StudentInnen (eine Studentin war krank bei der Prüfung) - die Wiederholungsprüfungen sind widersinnigerweise immer eine Woche nach der Prüfung. Wer soll bis dahin noch was dazulernen? Naja, es wird eine mündliche Prüfung & mündlich (stereotype Eröffnungsfrage: "Worum gings denn überhaupt in der Vorlesung?") ist noch nie jemand bei mir durchgefallen...

Davon abgesehen, hatte ich gestern eine interessante Unterhaltung mit meinem Studenten Ivo Da Silva Passe. Er ist - berufstätig wie viele andere - nebenbei Lehrer an der Sekundarschule neben der Uni und unterrichtet 12 Stunden Physik jede Woche (3 Klassen je 4 Stunden). Im 8. Jahrgang hat seine kleinste Klasse 95 (!) SchülerInnen, die größte 113. Natürlich kann er da nur Frontalunterricht machen und kennt nur von 4 Leuten überhaupt deren Namen. Was bedeutet, dass er nie weiss, wer abwesend ist - viele SchülerInnen verlieren sich am Weg zur Schule. Der Grund, warum die Klassen so groß sind, ist in der Großstadt Pemba derselbe wie am Land: es gibt zuwenige Schulen und zuwenige Räume.

An Lehrern würde es nicht mangeln, vor allem weil die Lehrerausbildung nicht besonders ist. Ivo hat die Sekundarschule abgeschlossen und hatte dann einen 3monatigen Kurs zu Pädagogik und Inhalt in Beira. Solcherart kann man natürlich schnell viele LehrerInnen bereitstellen, was aus früher genannten Gründen auch notwendig ist. Für seine Arbeit (12 Stunden Unterricht + Vorbereitung + Tests korrigieren + 2 Stunden Meeting in der Woche = ca. 25 Stunden) bekommt er 3000 Metical im Monat (90 Euro). Die Studiengebühren an der UCM betragen ca. 70 Euro im Monat. D.h. zum Leben bleiben ihm 700 Metical. Ohne Familienhilfe nicht zu schaffen.