Mosambikanische Staatsbürgerkunde
Gestern war eine grosse Parade in Pemba (alle Polizisten, Verkehrspolizisten und Administratoren in 5er-Reihe und Gleichschritt, voraus und hintennach ihre Motorräder): "20 Jahre Mosambikanische Polizei" - was meinen Kollegen Chris zu der Frage veranlasste: "Und, was war vorher?"
Darum: Zeit für ein wenig Staatsbürgerkunde! Mosambik ist eine Präsidialrepublik, d.h. alle Macht geht vom Volk aus, zum Präsidenten und von dort wieder zurück zum Volk. Der Präsident wird alle 5 Jahre vom 20-Millionenvolk der MosambikanerInnen aus einer Menge von 2 Kandidaten gewählt. Die Kandidaten werden von den beiden Parteien gestellt. Die FRELIMO (nationale Befreiungsfront) ist die staatstragende Partei. Sie hat bisher alle Präsidenten gestellt und herrscht auch in den meisten Provinzen. Die FRELIMO kann sich das Verdienst anrechnen, den Befreiungskrieg gegen die Portugiesen begonnnen (60er) und zu einem positiven Ende geführt zu haben (1975). Danach musste sie gegen die RENAMO (nationale Resistenz) kämpfen, die nach Ansicht der meisten Historiker mehr eine Terrororganisation als eine Partei war. Finanziert wurde die RENAMO aus Simbabwe, Südafrika, aber auch von rechtsgerichteten Vereinigungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern (wie in den Quellen des SADOCC-Archivs in Wien nachzulesen ist). Seit den frühen 90ern versucht man sich nun in einem Zusammenleben basierend auf nichtkriegerischer Konfliktlösung.
Anbei drei Bilder (allesamt nicht von mir sondern von images.google.com - jeweils von der ersten Trefferseite für die Parteinamen): die Flagge der FRELIMO, FRELIMO-Soldaten und RENAMO-Soldaten. Man sagt, dass die RENAMO in ihrem Kampf vor allem Dörfer verwüstete, die Erwachsenen ermordete, die Kinder verschleppte und zu Kindersoldaten ausbildete. Dieser Konflikt kostete 1.7 Millionen (von damals 10-15 Millionen) MosambikanerInnen das Leben.
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Zur Befreiuung von den Affekten der Tragödie empfiehlt Aristoteles ein abschliessendes Satyrspiel. Also: auch ich habe wiedermal einen politischen Gehversuch unternommen und - basierend auf der Tatsache, dass es in Pemba kein einziges Schwimmbecken fürs Volk gibt (aber sehr wohl für die reichen Gäste des Pemba Beach Hotel) - eine Lokalpartei gegründet (im Lokal "A Tasca" - "die Kneipe"). Diese trägt den programmatischen Namen "Piscinas Para O Povo!" ("Schwimmbäder für das Volk!" - kurz PIPAPO). Leider konnte ich bisher nur wenige AnhängerInnen gewinnen...


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